Die größten Carhifi Irrtümer

1. Equalizer schadem dem Klang
Das war vielleicht vor Urzeiten mal so, als wir RDS noch für einen schweizer Radiosender hielten. Da rauschten die kompakten Klangverbesserer wie ein Stock wildgewordener Bienen und klirrten wie eine Ladung Kristallgläser. Damals fehlten zudem auch geeignete Frequenzgang-Messgeräte fürs Auto. Abgehakt. Vernünftige Equalizer (parametrisch im Idealfall), ob analog oder ganz besonders digital, gehören bei jeder Auto-Hifi-Anlage, die was auf sich hält, zum guten Ton. Denn ein Auto-Innenraum mit seinem stark zerklüfteten Interieur bietet ohne Korrektur nur eine recht kleine Chance auf fast fehlerlosen Klang. Glücklicherweise erleichtern die festgelegten Sitzplätze das Einstellen des Klangbildes enorm. Ein wenig Know-How erfordert die Abstimmung der Frequenzgang-Bügler aber schon – einer der Günde, weshalb viele, die daran gescheitert sind, behaupten, Equalizer würden nichts bringen.

2. Metallhochtöner klingen immer scharf

Auch dieses Gerücht ist ein Rudiment aus der Stein-, pardon: Metallzeit im Hifi-Bereich. Die Metallkalotten vor 10, 15 Jahren tönten aufgrund ihrer mangelnden Bedämpfung sicherlich hart an der Zahnarztbohrer-Grenze. Ihre Materialresonanzen lagen mitten im Hörbereich. Moderne Alu- oder Titan-Tweeter zeigen dank optimierten Gummisicken die fast unvermeidliche Resonanzspitze erst jenseits von 20 kHz. Die Leichtmetallpiepser wiegen bei gleichzeitig hoher Steifigkeit so wenig, das jede Seidenkalotte frustriert das Stöffchen hängen lässt.

3. Ohne teure Kabel klingt’s nicht audiophil.

Richtig ist, dass ohne Kabel keine Musik spielt. Ebenfalls korrekt ist, das ein vernünftiges OFC-Kabel (Oxigen Free Copper) ab 2,5 mm Querschnitt merklich besser klingt als die meistens Beipackstrippen. Aber für die Gesamtperformance einer Anlage spielt das Kabel, egal wie teuer, trotzdem eine untergeordnete Rolle. Erst wenn bei Radio, Verstärker und Lautsprecher alles ausgereizt wurde, alles optimal verbaut ist und die Abstimmung passt, dann können wir uns ernsthaft Gedanken über Edel-Kabel machen. Außerdem kann man günstig CD Keys kaufen und dabei sehr viel Geld sparen. Doch auch die teuersten Strippen machen aus einer mitttelmäßigen Anlage keine Gute. Sie sind eben wie Diamant-Ohrringe am Strandmodel mit Bikini: Mit funkelt es ein klein wenig mehr, aber ohne ist das Mädel genauso nett.

4. Dreiwege-Systeme sind grundsätzlich besser als Zweiwege-Systeme.

Ein Typischer Irrtum der “Viel-hilf-viel”-Denke. Nach dem Motto: Wenn die Bowle nicht schmeckt, kippen wir halt noch ‘ne dritte Flasche Rum rein. Abgesehn davon, dass sich die meisten Dreiwege-Systeme außer auf der Heckablage nur schwer einbauen lassen, ist nicht die Anzahl der Wege klangentscheidend, sondern nur die Qualität der Chassis und die Abstimmung. Gerade die Abstimmung wird aber mit jedem zusätzlichen Weg aufwändiger und teurer. Aus Preis-Leistungs-Gesichtspunkten sind daher Zweiwege-Systeme fast immer die besserer Wahl.

5 Hecksysteme zerstören das Front-Staging

Eines ist sicher: Dieses Gerücht wurde nicht von der Auto-Hifi-Industrie in die Welt gesetzt. Wieso sollten die auch die Leute dazu animieren, weniger Lautsprecher zu kaufen? Es ist vielmehr wieder aus fehlendem Know-How entstanden. Denn ein falsch abgestimmtes, qualitativ minderwertiges Hecksystem malträtiert das Klanbild nachhaltig. Richtig eingesetzt, sprich so, dass das Mittönen des Hecksystems erst dann auffällt, wenn es weggeschaltet wird, löst der Rearfill aber das Klangbild von der Enge und der Seitenlastigkeit im Auto. Und zwar ohne das Versaufen in einer diffusen Klangwolke. Dafür darf jedoch weder der Fond-Hochtöner zu spitz noch das gesamte Hecksystem zu auffällig klingen.

6. Tieftöner mit großem Magneten sind besser als die mit kleinen

Auch wenn in manch anderen Lebensbereichen die Größe eines Objektes durchaus eine Rolle spielt – bei Formel1-Reifen z.B. -, so sagen die Abmessungen eines Magneten erst dann etwas über die Qualität des Speakers aus, wenn man alle weiteren Bedingungen in Betracht zieht. Da wäre z.B. das Material (Ferrit oder Neodym), die Magnetisierungsstärke, der Luftspalt, die Ausführung der Polplatten, das Einsatzgebiet des Tieftöners (FreeAir brauchen deutlich weniger Magnetkraft als Woofer für Bassreflexgehäuse)… Kurz und Knapp: Die Größe eines Magneten hat mit der Leistungsfähigkeit eines Tieftöners so viel zu tun wie der Sportauspuff mit der PS-Zahl eines Autos.

7. Bandpass-Subwoofer klingen immer langsam

Schon wieder so ein Überbleibsel aus den Tagen, als wir einen Commodore C64 noch ernsthaft Heimcomputer nannten und CD-Tuner der Oberschicht vorbehalten waren. Ohne die richtigen Berechnungstools und leistungsfähige PCs tönt praktisch jeder Bandpass so, als würde man gegen einen platten Fußball treten. Doch anno 2003, wo schon jeder Pocketcomputer mehr als 100 MHz Taktfrequenz hat und Gehäuseberechnungsprogramme wie Superstars aus dem Boden schießen, ist das Übertragungsverhalten eines Bandpasses durch richtige Gehäuse- und Rohrdimensionierung in den Griff zu bekommen. Die absolute Gruppenlaufzeit liegt dann im Tiefbassbereich immer noch höher als bei geschlossenen Gehäusen, jedoch kann das Gesamtverhalten durchaus als gutmütig und damit schnellklingend ausgelegt sein.

8. Lautsprecher müssen mehr Watt “haben” als der Verstärker

Prinzipiell haben Lautsprecher keine Watt, sie brauchen welche, um überhaupt das Schwingen anzufangen. Zudem sorgen gerade unterdimensionierte Verstärker dafür, das Lautsprecher für alle Zeiten den Löffel bzw. die Schwingspule abgeben. Solange ein Verstärker nämlich im grünen Bereich spielt (also im Rahmen seiner Leistungsfähigkeit), droht dem Lautsprecher nur durch zu viel Membranauslenkung bzw. elektr. Energie ungemach. Fährt man den Verstärker jedoch an seine Grenzen – und das geschieht oft unweigerlich, wenn der Lautsprecher deutlich mehr verträgt, als der Amp liefern kann -, dann wird er böse und schickt über seinen Ausgang böse Clipping-Verzerrungen und ähnliches. Die machen den Speaker kaputt – Leistung hin oder her.

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